Als junge Schüler und Studenten in Kamerun waren die Vereinsgründer lange der Ansicht, dass es niemals zu einem wirklichen Zusammenhalt oder gar zu einer gegenseitigen Unterstützung zwischen den afrikanischen und europäischen Völkern kommen würde. Zu tief waren die Ressentiments einem Volk gegenüber, das sogar mit religiösem Rückhalt die Versklavung eines anderen fremden Volkes zynisch geplant und durchgeführt bzw. geduldet hatte, um dann noch - unter moralischen Zwängen und zähen Wiederstandbewegungen - ungeniert mit einem orchestrierten Kolonialismus und später mit einem besonders für die eigene Bevölkerung schwer durchschaubaren Neokolonialismus weiterzumachen. Die schlimmste Folge war und ist heute noch ein grausamer Völkermord, der einem gesamten Kontinent seine jungen, kreativen und dynamischen Arbeitskräfte geraubt hat.
Eine hinterlistige Begleiterscheinung dieser langjährigen Unterdrückung bleibt aber bis heute unsichtbar und ist deshalb noch schlimmer: eine Mehrheit der Kameruner bzw. der Afrikaner im Allgemeinen leidet immer noch unter einem chronischen Minderwertigkeitskomplex, der die Bemühungen, die zur Überwindung der unzähligen sozialen Problemen notwendig wären, schon im Kern erstickt.
Eine aussichtlose Situation wenn man bedenkt, dass die institutionalisierte internationale Hilfe bis heute eher nur eigenen Zwecken dient, wobei es hauptsächlich darum geht, die von den neokolonialen Institutionen hinterlassenen neokolonialen Herren zur blinden und billigen Übergabe der weiterhin attraktiv gebliebenen afrikanischen Bodenschätze zu korrumpieren. Hierbei wird die durch den bereits erwähnten Minderwertigkeitskomplex bedingte Gefolgschaft der afrikanischen Führungsklassen weiterhin konsequent ausgenutzt.
Die Geschichte und die Lebenserfahrung der Vereinsgründer haben diese jedoch auch zu mindestens zwei positiven Erkenntnissen gebracht:
- Die Beendigung der Sklaverei und das Erlangen der heutigen scheinbaren Unabhängigkeit wäre ohne einen verbitterten und blutigen Kampf der unterdrückten Völker unmöglich gewesen. Einen zusätzlichen Beitrag lieferte aber die zunehmend aufgeklärtere europäische Bevölkerung, die den ablehnenden sozial-politischen Druck gegen die institutionalisierte Unterdrückung von anderen bzw. allen Völkern kontinuierlich aufgebaut hat;
- Die Hilfsbereitschaft in der europäischen und insbesondere in der deutschen Bevölkerung ist heute noch sehr groß und findet in der Regel während der Weihnachtzeit ihren Höhepunkt.
Die eigentliche Frage aufgrund der benannten Fehlanwendung der institutionalisierten Hilfe ist deshalb die folgende: wie sorgt man dafür, dass die geleistete Hilfe an der richtigen Stelle ankommt? Dabei sollte auch nicht unerwähnt bleiben, dass eine effektive und nachhaltige Hilfe eigentlich nur die sein kann, die zur Selbstbestimmung führt. Hierbei sind natürlich nicht die Notsituationen gemeint, die in jedem Land vorkommen können und z.B. nur über eine akute Verteilung von Lebensmitteln gelindert werden können. Eine dauerhafte Lebensmittelverteilung würde aber die Gefahr bergen, dass diejenigen, denen die Hilfe zuteil wird, die Fähigkeit zur Selbsternährung verlernen und auf ständige Hilfe angewiesen sind.
Der richtigere Ansatz könnte es also nach Ansicht der Vereinsgründer sein, Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten. Indem man Kindern die Schulausbildung ermöglicht, Frauengruppen bei der Vermarktung ihrer Ernte hilft, Jungendinitiativen von sportlicher, gesellschaftlicher oder kultureller Art unterstützt, zur Verlegung von Wasserleitungen oder Stromleitungen in einer Gemeinde beiträgt… Hilfeleistungen also, die darauf abzielen würden, Hilfesuchende auf eine selbständige und selbstbewusste Lösungsfindung für die eigenen Probleme vorzubereiten.
Diese Vorgehensweise wird von verschiedenen Vereinen auch schon verfolgt und „Die Deutsch-kamerunische Völkerbrücke e.V.“ wird zu aller erst ständig darum bemüht sein, jegliche Kooperationsformen mit ähnlich ausgerichteten Organisationen einzugehen. Ein Problem dieser „ausländischen“ Organisationen besteht darin, dass der Kameruner bzw. der Afrikaner immer nur als „Empfänger“ und der Europäer als „Geber“ fungieren, eine Konstellation, die das Selbstvertrauen der Hilfeempfänger nicht gerade fördert. Hinzu kommt die Schwierigkeit, die Hilfebedürftigen und die passenden optimalen Hilfeleistungen überhaupt erst zu identifizieren. Als Konsequenz wird zum Teil sehr viel Geld in die logistische Organisation der Hilfeleistung gesteckt, welches dann aber an den Stellen fehlt, wo es am meistens gebraucht wird.
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